Pressemitteilungen

Land fördert die Umsetzung des elektronischen Rezepts als Modell für gesetzlich Versicherte mit rund einer Million Euro

Minister Manne Lucha: „Baden-Württemberg ist bundesweit Vorreiter bei der Fernbehandlung / Auch bei der Einführung des elektronischen Rezepts gehen wir gemeinsam mit Landesapothekerkammer und Landesapothekerverband wegweisend voran“


Im Rahmen des telemedizinischen Modellprojekts „docdirekt“ der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg wird nun bundesweit erstmals das elektronische Rezept (E-Rezept) für gesetzlich Versicherte im Land erprobt. Die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg und der Landesapothekerverband Baden-Württemberg e.V. setzen gemein-sam das durch das Ministerium für Soziales und Integration aus Mitteln der Digitalisierungsstrategie digital@bw mit rund einer Million Euro geförderte Projekt „GERDA – Geschützter E-Rezept Dienst der Apotheken“ um. Am Modellprojekt „docdirekt“ können derzeit gesetzlich Krankenversicherte in den Modellregionen Stadtkreis Stuttgart und Landkreis Tuttlingen teilnehmen.


„Nach der Genehmigung von telemedizinischen Modellprojekten zur ärztlichen Fernbehandlung in Baden-Württemberg durch die Landes-ärztekammer Baden-Württemberg ist die Erprobung eines elektronischen Rezepts die nächste logische Stufe“, sagte Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha am Freitag (31. August) in Stuttgart. „Wenn eine ärztliche Behandlung zukünftig online möglich ist, muss auch ein elektronisches Rezept ausgestellt werden können. Ich freue mich sehr darauf, gemeinsam mit der Landesapothekerkammer und dem Landesapothekerverband das E-Rezept für gesetzlich Versicherte modellhaft umzusetzen. Baden-Württemberg geht auch hier – wie bereits bei der Online-Sprechstunde und der sektorenübergreifenden Versorgung – deutsch-landweit voran und zeigt auch dem Bund neue Wege auf!“


GERDA – Geschützter E-Rezept Dienst der Apotheken


Das Land fördert mit GERDA ein Projekt, das durch die Nutzung digitaler Ent-wicklungen einen wichtigen Beitrag für die Versorgung leistet. Es zeichnet sich durch erkennbare Mehrwerte für die Bürgerinnen und Bürger aus.

Das Konzept setzt auf bestehende Strukturen im Ärzte- und Apothekenbereich und macht damit erstmals die flächendeckende Anwendung eines elektronischen Rezepts möglich. Es baut auf das docdirekt-Projekt zur Fernbehandlung der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg auf. Ärztinnen und Ärzte können so zukünftig im Rahmen einer Fernbehandlung ein E-Rezept ausstellen. „Das elektronische Rezept wird die Versorgung der Patientinnen und Patienten mit Arznei- und Hilfsmitteln und damit auch die Arbeit der Apotheken in unserem Land epochal verändern. Bei der Entwicklung und Umsetzung sind deshalb Augenmaß, viel Erfahrung und Detailkenntnis gefragt“, so Fritz Becker, Präsident des Landes-apothekerverbandes Baden-Württemberg e.V. „Dies alles bringen wir als baden-württembergische Apothekerschaft mit und wollen deshalb diese Technologie federführend entwickeln. Wir freuen uns sehr, dass das für unseren Berufsstand zuständige Sozialministerium unser Engagement unterstützt und finanziell fördert.“


Gemeinsam zum elektronischen Rezept


Dr. Günther Hanke, Präsident der Landesapothekerkammer Baden- Württemberg, zum E-Rezept: „Die Kammer ist von der Ärzteschaft schon frühzei-tig in deren telemedizinische Projekte einge-bunden worden. Dabei wurde schnell klar, dass das elektronische Rezept eine Schlüsseltechno-logie für das Funktionieren von Telemedizin darstellt. Allen Beteiligten ist bewusst, dass hier kein Zuweisungs- und Geschäftsmodell entstehen darf. Ziel der Projektpartner ist es, dass die Patientin oder der Patient alleiniger Herr seiner hochsensiblen Gesundheitsdaten ist und die freie Arzt- und Apothekenwahl erhalten bleibt. Hierfür ist die Landesapothekerkammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts unter Aufsicht des Sozialministeriums der Garant.“ Landesapothekerkammer und Landesapothekerverband wollen zu diesem Zweck einen „Fachdienst Rezeptspeicher“ mit dem Namen GERDA (Geschützter e-Rezept Dienst der Apotheken) einrichten. Durch definierte Schnittstellen können Ärztinnen und Ärzte ein verschlüsseltes Rezept auf dem Rezeptspeicher ablegen. Die Patientin oder der Patient kann frei entscheiden, in welcher Apotheke sie oder er das Rezept einlösen will.“


Das Ministerium für Soziales und Integration unterstützt dieses Vorhaben im Rahmen der Digitali-sierungsstrategie digital@bw mit einer Förderung von rund einer Million Euro.



Hintergrundinformationen:


Die Apotheken in Deutschland legitimieren sich derzeit bei der Netzgesellschaft Deutscher Apotheken mbH (NGDA), um ab dem 9. Februar 2019 am securpharm System teilnehmen zu können. Das bedeutet, dass spätestens zu diesem Zeitpunkt alle Apotheken in Deutschland über eine digitale Identität verfügen. Mit Hilfe dieser digitalen Identität können sich Apotheken am Rezeptspeicher GERDA legitimieren und nach der Beauftragung durch die Patientin oder den Patienten das Rezept beziehen.

Landesapothekerkammer und Landesapothekerverband werden die NGDA mit der Umsetzung des elektronischen Rezepts beauftragen. Das erprobte Modell könnte daher später problemlos für eine bundesweite Lösung übernommen werden.

 

 

Fahrradhelme retten Leben und schützen vor Verletzungen
Studie zur Nutzung und Wirkung von Fahrradhelmen fertiggestellt

Fahrradhelme sind effektiv, um die Folgen von Fahrradunfällen erheblich abzumildern. Dies belegt eine umfangreiche Grund-lagenstudie der Länder Baden-Württemberg und Thüringen mit neuen Zahlen. Die nun vorliegende gemeinsame Untersuchung des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg und des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft hat die Effekte von Fahrradhelmen und einer potentiell möglichen Helmpflicht umfassend wissenschaftlich untersucht.

„Fahrradhelme sind geeignet, die Zahl schwerer Kopfverletzungen bei Fahrradunfällen signifikant zu verringern. Unser Ziel ist es daher, das Helmtragen zur Normalität werden zu lassen – auch ohne Helmpflicht. Eine höhere Helmtragequote ist ein wichtiges Element unserer Strategien zur Erhöhung der Verkehrssicherheit von Radfahrerinnen und Radfahrern“, sagte der baden-württem-bergische Verkehrsminister Winfried Hermann am 9. März 2017. Auch Thüringen verfolgt die Förderung des freiwilligen Helm-tragens: „Wir wollen das Fahrradfahren attraktiv und gleichzeitig sicher gestalten. Deswegen investieren wir in gut ausgebaute Radwege und wir unterstützen die Verkehrswachten. Sie werben landesweit für das freiwillige Helmtragen mit Testvorführungen, Plakaten und Informationsmaterialien. Vorbeugen ist besser als heilen. Wir setzen bei dem Thema auf präventive Maßnahmen und dazu liefert die Studie jetzt eine wertvolle Grundlagenarbeit“, sagte die Thüringische Verkehrsministerin Birgit Keller.

Die Studie beleuchtet wissenschaftlich fundiert an Hand von über 350 Quellen aus unterschiedlichen Ländern und Zeiten das Thema Fahrradhelm aus allen Perspektiven. Sie prüft eine Vielzahl mög-licher Effekte von Helmen und einer Helmpflicht umfassend auf ihre wissenschaftliche Belastbarkeit. „Die Studie ist eine hervor-ragende Grundlage für die weitere Arbeit zum Thema Fahrrad-helme. Wir wollen auf dieser Basis die Debatte zum Fahrradhelm bzw. der Tragepflicht auf eine sachliche Grundlage stellen“, erläuterte Minister Hermann. „Im Kern sollte dabei die Frage stehen, wie wir noch deutlich mehr Menschen zum Helmtragen beim Radfahren animieren können.“

Die Studie untersucht unterschiedliche Ansätze zur Erhöhung der Helmtragequoten. Unter anderem wurde auf Basis von 268 verschiedenen Parametern eine Kosten-Nutzen-Analyse für eine gesetzliche Helmpflicht durchgeführt. Die Analyse ergab ein deutlich positives Nutzen-Kosten-Verhältnis. Nutzen und Kosten konzentrieren sich dabei stark auf die Altersgruppe der über 65jährigen. Verkehrsminister Hermann: „Mehr Menschen sollten einen Helm tragen. Die Kinder gehen hier in der Regel schon mit gutem Beispiel voran. Ich würde mir wünschen, dass zukünftig auch die Eltern und Großeltern ihrer Vorbildrolle besser gerecht werden.“

Berücksichtigt wurden bei den Berechnungen auch die unge-wünschten Nebenwirkungen einer gesetzlichen Helmpflicht. Bei einer Befragung im Rahmen der Studie gab ein Teil der Rad-fahrenden beispielsweise an, bei Einführung einer Helmpflicht zukünftig ganz oder teilweise auf das Radfahren zu verzichten. Danach würde sich die Fahrleistung von Radfahrerinnen und Radfahrern insgesamt um etwa 7 Prozent verringern. Doch trotz den dadurch berechneten negativen Folgen für die Gesundheit bleibt unterm Strich eine positive Bilanz.

Baden-Württemberg verfolgt die Zielsetzung, die Zahl der im Radverkehr Verunglückten und Getöteten gegenüber dem Jahr 2010 bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent zu reduzieren. Langfristig soll die Vision Zero erreicht werden - ein Straßenverkehr ohne Tote und Schwerverletzte. Diese Ziele sind auch mit hohen Helmquoten alleine nicht erreichbar. „Das Land Baden-Württem-berg setzt derzeit auf Basis seines Verkehrssicherheitskonzeptes sowie der RadSTRATEGIE Baden-Württemberg eine Vielzahl von Maßnahmen um. Zusammen mit hohen Helmtragequoten wollen wir eine deutliche Erhöhung der Verkehrssicherheit der Rad-fahrenden erreichen“, ergänzt Verkehrsminister Hermann. „Schwerpunkte sind der systematische Ausbau sicherer Infra-struktur, die Unterstützung eines sicheren Verkehrsver-haltens von Autofahrern und Radfahrern sowie die Erhöhung der Sicher-heit durch Maßnahmen im Bereich der Fahrzeugtechnik z.B. von Abbiegeassistenten von Lkw.“

Seniorenräte fordern:

  • Ressortübergreifende Demografie-Strategie des Landes
    und Demografie-Beauftragter

  • Förderung des Ehrenamtes

Die neue Landesregierung von Baden-Württemberg sollte sich konsequent des demografischen Wandels annehmen, ein ressort-übergreifendes Strategiekonzept auf den Weg bringen sowie einen Demografie-Beauftragten berufen.

Das haben am Dienstag 70 Vertreterinnen und Vertreter von Kreis-seniorenräten und des Landesseniorenrats bei ihrer jährlichen Zusammenkunft in der Sportschule Ruit gefordert.

Dazu Roland Sing, der Vorsitzende des Landesseniorenrates, der die Interessen von mehr als 2,7 Millionen über 60-Jährigen in Baden-Württemberg vertritt: „Mit Blick auf den demografischen Wandel muss es gesellschaftspolitisches Ziel sein, den Menschen so lange es irgendwie geht ein selbst bestimmtes Leben zu Hause zu ermöglichen – auch wenn sie schon beeinträchtigt sind.“ Auch die Kommunen seien gefordert, sich dem demografischen Wandel zu stellen und Konsequenzen zu ziehen. Vor allen Dingen muss das bürgerschaftliche Engagement durch die Kommunen stärker gefördert werden. Die ehrenamtlichen Strukturen u.a. auch des Landesseniorenrates und der Kreis-, Stadt- und Ortsseniorenräte sind zu unterstützen und zu begleiten.

Die Seniorenvertretungen im Land hoffen sehr darauf, dass ihre Belange von der zukünftigen Landesregierung ernst genommen werden. Das Ehrenamt benötigt nicht nur Lob und Anerkennung sondern auch eine, zugegebenermaßen bescheidene, aber wirksame Unterstützung.

Der Landesseniorenrat Baden-Württemberg vertritt die Interessen von 2,7 Millionen Älteren im Südwesten. Er ist ein Zusammenschluss von  42 Seniorenräten der Land- und Stadtkreise sowie 37 Verbänden und Organisationen, die landesweit in der Arbeit für und mit älteren Menschen engagiert sind. Er versteht sich als unabhängiger und weltanschaulich neutraler Anwalt und Partner für die Belange aller Generationen und beteiligt sich aktiv an der Meinungsbildung politischer Entscheidungsträger.

Neues Internetportal für haushaltsnahe Leistungen geht
an den Start

 

Sozialministerin Katrin Altpeter: „Ob für Kinder- oder Seniorenbetreuung, Haushalt oder Garten– auf unserer neuen
Seite finden Interessierte ein passendes und seriöses Angebot
in ihrer Umgebung“


Sozialministerin Katrin Altpeter hat am Donnerstag (25. Februar)
ein neues Internetportal für haushaltsnahe Dienstleistungen in
Baden-Württemberg vorgestellt. Kernstück der Internetseite www.haushaltsnahedienste-bw.de ist eine Datenbank mit Anbietern
von Dienstleistungen für Haushalt und Garten sowie für Kinder- und Seniorenbetreuung im Land. Über die Eingabe der Postleitzahl oder mithilfe einer Karte können Interessierte unkompliziert Anbieter in ihrer Umgebung finden und kontaktieren. Darüber hinaus finden sich auf der Seite viele praktische Informationen im Zusammenhang mit haus-haltsnahen Dienstleistungen, z.B. Antworten auf Steuerfragen, Checklisten für Arbeiten in Haus und Garten sowie Hinweise zu Informations- und Beratungsstellen.


Die Ministerin: „Viele Frauen und Männer wollen heute beides - Familie und Erwerbstätigkeit. Zugleich wächst der Anteil älterer Menschen in Baden-Württemberg und damit die Nachfrage nach Hilfen im Alltag, für Arbeiten, die im Alter immer schwerer fallen. Haushaltsnahe Dienst-leistungen können für Familien und ältere Menschen eine wertvolle Entlastung schaffen.“ Oftmals werde die Suche nach einer passenden Unterstützung allerdings als sehr schwierig und zeitaufwändig empfunden. Außerdem bestünden hohe Unsicherheiten bezüglich der Qualität der Angebote. „Hier setzt unser neues Portal an. Wir erhöhen die Transparenz bei den Haushaltsnahen Diensten und erleichtern den Menschen die Suche nach einem passenden Angebot in ihrer Umgebung.“

Altersarmut verhindern

Bei der Mitgliederversammlung des Landesseniorenrates am 19.
November im Rathaus in Fellbach war die drohende Altersarmut
das zentrale Thema, zu dem Andreas Schwarz, Direktor der Deutschen
Rentenversicherung Baden-Württemberg, informierte.

Schwarz: „Die Rentenpolitik steht vor dem Dilemma, dass bei einem sinkenden Rentenniveau immer mehr Beiträge erforderlich werden, um eine Leistung oberhalb der Grundsicherungsschwelle zu erwerben. Dies bedroht ihre Legitimation in doppelter Hinsicht: Sie vermag zukünftig nach einem erfüllten Arbeitsleben weder Niedrigverdiener vor der Altersarmut zu bewahren, noch bietet sie den Durchschnittsverdienern ein attraktives, sich deutlich von der Grundsicherung abhebendes Leistungsniveau. Es werden deshalb immer mehr Menschen fragen: Wofür habe ich ein Leben lang Beiträge gezahlt, wenn es bei der Rente nicht oder kaum mehr als die Grundsicherungsleistung gibt? Eine Antwort hierauf kann in einer Verbesserung des Rentenniveaus für Niedrigverdiener liegen, ebenso sollte das Rentenniveau für den Durchschnittsverdiener auf dem gegenwärtigen Stand gehalten werden.“

Der Landesseniorenrat Baden-Württemberg warnt seit Jahren vor der drohenden Altersarmut, die künftige Rentnergenerationen betreffen wird. Es kann und darf nicht sein, dass in zehn bis fünfzehn Jahren für viele kein auskömmliches Rentenniveau trotz lebenslanger Arbeit erreicht wird. Erschwerend kommt hinzu, dass Menschen in Altersarmut über Sozialhilfe bzw. Grundsicherung finanziert werden müssen. LSR-Vorsitzender Roland Sing warnt davor, dass Menschen zu Bittstellern des Staates werden, obwohl sie jahrzehntelang Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung waren. „Deshalb sind entschiedene Maßnahmen gegen die drohende Altersarmut jetzt notwendig“, so Sing.

Der Landesseniorenrat und die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg fordern die Politik auf, der Höhe des Rentenniveaus als zentrale Stellschraube der Armutsvermeidung und Lebensstandard-sicherung für ältere Menschen mehr Beachtung zu schenken.

Der Landesseniorenrat Baden-Württemberg vertritt die Interessen von den mehr als 2,8 Millionen Älteren im Südwesten. Er ist ein Zusammen-schluss von 42 Seniorenräten der Land- und Stadtkreise sowie 36 Verbänden und Organisationen, die landesweit in der Arbeit für und mit älteren Menschen engagiert sind. Er versteht sich als unabhängiger und weltanschaulich neutraler Anwalt und Partner für die Belange aller Generationen und beteiligt sich aktiv an der Meinungsbildung politischer Entscheidungsträger.

Die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg ist als gesetz-licher Rentenversicherungsträger Ansprechpartner für rund 6,6 Millionen Versicherte sowie mehr als 200.000 Unternehmen im Land und zahlt an 1,5 Millionen Menschen Rente im In- und Ausland aus.

 

Seniorenräte fordern:

  • Erweiterung der Pflegestützpunkte

  • Berufung eines Pflege- und Patientenbeauftragten

Über 60 Vertreterinnen und Vertreter von Kreisseniorenräten und des Landesseniorenrats haben sich am 14. und 15. April 2015 mit den Themen „Pflegestützpunkte“ sowie „Patienten- und Pflegebeauftragter“ befasst.

In Baden-Württemberg ist es bisher leider nicht gelungen, eine Beratungsinfrastruktur zu schaffen, die flächendeckend eine wohnort-nahe und neutrale Pflegeberatung sichert. Eindeutig steht fest, dass deutlich mehr als 48 Pflegestützpunkte notwendig sind, um eine sachgerechte Beratungsstruktur zu schaffen.

Für den Landesseniorenrat ist nicht nur die absolute Zahl der Pflege-stützpunkte wichtig. Von noch größerer Bedeutung ist die personelle Ausstattung, sind bedarfsgerechte Öffnungszeiten auch samstags und mindestens einmal wöchentlich am Abend. Der Pflegestützpunkt muss für Angehörige und insbesondere für Berufstätige gut erreichbar sein. Aufsuchende Beratung muss verstärkt stattfinden und durch entsprechende Personalstellen mehr als bisher möglich werden. Insgesamt muss die Beratungssituation insbesondere im ländlichen Raum deutlich verbessert werden.

Künftig ist auch eine veränderte Aufgabenstellung für die Pflegestütz-punkte vorzusehen. Wohnraumberatung gewinnt immer mehr an Bedeutung und muss lokal auf kommunaler Ebene stattfinden. Der Landesseniorenrat fordert deshalb, die Pflegestützpunkte in diese Aufgabe einzubeziehen. Bei der Finanzierung sind Steuermittel einzusetzen.

Die Landesregierung wird aufgefordert, die Fortentwicklung des Konzepts der Pflegestützpunkte in Baden-Württemberg noch vor der Landtagswahl 2016 umzusetzen.

Außerdem wird die Berufung eines Patienten- und Pflegebeauftragten gefordert.

 

Der Landesseniorenrat Baden-Württemberg vertritt die Interessen von 2,7 Millionen Älteren im Südwesten. Er ist ein Zusammenschluss von
42 Seniorenräten der Land- und Stadtkreise sowie 34 Verbänden und Organisationen, die landesweit in der Arbeit für und mit älteren Menschen engagiert sind. Er versteht sich als unabhängiger und welt-anschaulich neutraler Anwalt und Partner für die Belange aller Genera-tionen und beteiligt sich aktiv an der Meinungsbildung politischer Entscheidungsträger.

„Neuausrichtung der Seniorenpolitik“

Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) will die Seniorenpolitik neu ausrichten und den Fokus stärker auf die Potenziale der alter Menschen lenken. „Ältere Menschen im Land haben den Willen und die Fähig-keiten, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen“, erläuterte die Ministerin gestern. Sie kündigte für Herbst einen „Kompass Senioren-politik“ an, in den Ergebnisse von vier seniorenpolitischen Werkstatt-gesprächen des Vorjahres einfließen. Altpeter erinnerte daran, dass derzeit ein Fünftel der Bevölkerung im Land 65 Jahre und älter ist. Im Jahr 2030 werde dieser Anteil bereits ein Viertel betragen.

Der Landeschef des Seniorenrates, Roland Sing, begrüßte den Perspek-tivwechsel: „Ältere sind heute oft viel länger gesund und aktiv als früher. Wenn die Landesregierung sie noch stärker als bisher dabei unterstützen will, sich und ihre Wissen in die Gesellschaft einzubringen, dann bedeutet das einen großen Gewinn für alle.“ Zwei Drittel aller über 60-Jährigen seien noch leistungsfähig; viele davon wollen sich in der Gesellschaft engagieren.

Als Ergebnis der Gesprächsrunden will das Ministerium den Generatio-nendialog, für den Senioren sich mehr Begegnungsmöglichkeiten wünschen, sowie das Engagement im Alter etwa als Lesepaten fördern. (dpa)

Die vollständige Dokumentation finden Sie unter
sozialministerium-bw.de

Arm oder nicht?

Einige Erkenntnisse und Fragen von der zweiten Konferenz für den Armuts- und Reichtumsbericht BW

Bekomme ich eine durchschnittliche Rente? Evtl. etwas mehr? Oder sogar eine Pension? Gibt es bald ein viel gefragtes (neues) Ehrenamt
als „Begleiter zu Behörden und Ämtern“?

„Allen Älteren im Ländle geht es finanziell bestens!“ Das ist leider ein weit verbreitetes Vorurteil, das sich jedoch widerlegen lässt. Deshalb ist es sicher gut, dass die Grün-Rote Landesregierung im Jahre 2015 erstmals einen Armuts- und Reichtumsbericht vorlegen will. Die zweite vorbereitende Konferenz dazu hat am 9. Oktober in Mannheim stattgefunden (gut organisiert vom Team der Familienforschung BW unter Leitung von Erich Stutzer im Auftrag des Sozial- und Senioren-ministeriums). Dieses Mal ging es besonders darum, die Armut aus Sicht der Praxis und der Betroffenen aufzuzeigen. Das hat Sozial-ministerin Katrin Altpeter schon in ihren begrüßenden Worten klar hervorgehoben. Es gehe nicht darum, einen Bericht in Hochglanzdruck zu erstellen, der irgendwann verstaubt sei. Es müsse ggf. schon bald gehandelt werden. Und auch arme Menschen sollten am Leben beteiligt sein. Sie dürften nicht ausgesondert werden und auch nicht abseits stehen (müssen).

Landesseniorenrat fordert: endlich mehr Pflegestützpunkte einrichten

Der jetzt vom Sozial- und Seniorenministerium veröffentlichte Evaluationsbericht über die Arbeit der 48 Pflegestützpunkte in Baden-Württemberg hat den Vorstand des Landesseniorenrats
(LSR) zu einer sofortigen Stellungnahme herausgefordert. Die im Auftrag des Sozialministeriums durchgeführte Evaluation durch das Kuratorium Deutsche Altershilfe Köln bestätigt die Auffassung des LSR, dass die bisher 48 Pflegestützpunkte in 42 Stadt- und Landkreisen viel zu wenig sind, um die steigende Zahl der älteren Menschen in Baden-Württemberg flächendeckend zu erreichen.

LSR-Vorsitzender Roland Sing erklärte für die von seinem Verband vertretenen Interessen der 2,7 Mio. Älteren über 60: „Schon als die Stützpunkte ab 2011 eingerichtet worden sind, haben wir auf gravierende Mängel hingewiesen, insbesondere auf die zu geringe Zahl. Man hat uns jedoch lediglich immer wieder vertröstet. Erst müsse dazu die Evaluation vorliegen.“ Das sei nun der Fall. „Jetzt müsse“, so Sing, „endlich gehandelt werden.“ Er forderte: „Im Südwesten sind deutlich mehr Pflegestützpunkte einzurichten. Dann kann auch die Bevölkerung im sogenannten ländlichen Raum besser versorgt werden.“ Der sei bisher weitgehend stiefmütterlich bedacht gewesen. Sing weiter: „Das Beratungsangebot sollte ausgeweitet werden, besonders zu solchen Zeiten, an denen die Angehörigen es auch nutzen können.“ Oft würden sie nicht mehr am Ort der Pflegebedürftigen wohnen. Auch deshalb müssten die Öffnungs- bzw. Sprechzeiten den Bedürfnissen angepasst werden. Die Stützpunkte sollten hinausgehen und mit Infoveranstaltungen mehr aufklären. Sing: „Dazu ist jedoch mehr Personal nötig. Die Kranken- und Pflegekassen sowie die Kommunen sind nun aufgerufen, zeitnah einen angemessenen Ausbau der Pflegestützpunkte in Baden-Württemberg voranzutreiben.“

Im Übrigen sei es auch notwendig, dass die Aufgaben der Pflege-stützpunkte neu definiert werden müssten. So sei es wichtig, eigenständiges Leben in den eigenen vier Wänden durch entsprechende Beratungshilfen durch die Pflegestützpunkte nachhaltig zu fördern. Auch den Alltag unterstützende Technologien müssten Gegenstand einer entsprechenden Beratung werden.

Pflegestützpunkte sind als unabhängige und neutrale Einrichtungen die zentrale Beratungsstelle für Menschen, die pflegebedürftige Angehörige haben oder selbst in einer Pflegesituation sind. In dieser Funktion sind sie aus der pflegerischen Infrastruktur des Landes nicht mehr wegzudenken.


Der Landesseniorenrat Baden-Württemberg vertritt die Interessen von 2,7 Millionen Älteren im Südwesten. Er ist ein Zusammenschluss von
43 Seniorenräten der Land- und Stadtkreise sowie 34 Verbänden und Organisationen, die landesweit in der Arbeit für und mit älteren Menschen engagiert sind. Er versteht sich als unabhängiger und weltanschaulich neutraler Anwalt und Partner für die Belange aller Generationen und beteiligt sich aktiv an der Meinungsbildung politischer Entscheidungsträger.

 

Endlich – aber noch nicht genug für Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr

„Zwar spät, aber sicher nicht zu spät, hat die deutsche Bahn
und die Region Stuttgart auf die ständigen Bitten des Landes-seniorenrats (LSR) reagiert und setzt künftig mehr Sicherheits-personal in den S-Bahnen ein.“ Roland Sing, der Vorsitzende der Interessenvertretung für die 2,7 Mio. Älteren im Lande mahnte jedoch gleichzeitig an, das dürfe nicht nur auf die S-Bahnen in der Region Stuttgart beschränkt bleiben. Im öffentlichen Nahverkehr generell hätten selbst Jüngere, besonders aber auch Frauen, ein ungutes Gefühl, wenn sie außerhalb der Hauptverkehrszeiten in Züge oder Busse einsteigen, in denen sie nur mit wenigen anderen Fahrgästen zusammen unterwegs seien. Das müsse sich auch im Verkehrsplan für ganz Baden-Württemberg wiederfinden, und da seien auch die ländlichen Regionen ein Sorgenkind.

Der Landesseniorenrat Baden-Württemberg vertritt die Interessen von 2,7 Millionen Älteren im Südwesten. Er ist ein Zusammenschluss von
43 Seniorenräten der Land- und Stadtkreise sowie 34 Verbänden und Organisationen, die landesweit in der Arbeit für und mit älteren Menschen engagiert sind. Er versteht sich als unabhängiger und weltanschaulich neutraler Anwalt und Partner für die Belange aller Generationen und beteiligt sich aktiv an der Meinungsbildung politischer Entscheidungsträger.

Entlastung für die Seele – Ratgeber für pflegende Angehörige wieder verfügbar!

Die körperlichen und seelischen Belastungen, denen Menschen, die – oft über mehrere Jahre hinweg – ihre pflegebedürftigen Angehörigen zu Hause versorgen, sind enorm. Dies hat auch die starke Nachfrage nach dem Ratgeber gezeigt, den die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO) und die Deutsche Psychotherapeuten-Vereinigung (DPtV) gemeinsam erarbeitet und erstmalig im Februar 2012 den Hilfesuchenden zur Verfügung gestellt hat. Die Erstauflage und die beiden Nachdrucke waren innerhalb kurzer Zeit vergriffen.

„Wir freuen uns, dass durch die Unterstützung von COMPASS Private Pflegeberatung GmbH eine 4. Auflage gedruckt werden konnte und wir jetzt die lange Vormerkliste abarbeiten können“, so die BAGSO-Vorsitzende und Psychologin Prof. Dr. Ursula Lehr.

Dr. Sibylle Angele, Geschäftsführerin der COMPASS Private Pflegeberatung, 
kennt die Schwierigkeiten der Angehörigen: „Viele unserer Klientinnen und
Klienten sind pflegende Angehörige. Der Beratungsbedarf ist sehr groß, die
Situation der pflegenden Angehörigen ist besonders häufig Thema in den
Beratungsgesprächen. Die Broschüre der BAGSO trägt dazu bei, dass sich
die Menschen frühzeitig informieren und Hinweise für Unterstützungsan-
gebote erhalten, damit eine Überlastung in der Pflegesituation möglichst gar
nicht entsteht.“

Der Ratgeber kann bei der BAGSO – auch in einer größeren Anzahl –
bestellt werden:

BAGSO

Bonngasse 10, 53113 Bonn
Tel.: 0228 / 24 99 93 0
Fax: 0228 / 24 99 93 20
E-Mail: wittig@bagso.de

Außerdem kann er über die Internetseiten der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (www.dptv.de) und der BAGSO (www.bagso.de) heruntergeladen werden.

 
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