Krankenhaus - Nachsorge –
Bestandteil der regionalen Daseinsfürsorge

Aktueller Anpassungsbedarf

Der Druck auf die Wirtschaftlichkeit der Krankenhäuser seit Einführung der DRGs (Fallpauschalen) führte zu einer Verweildauerverkürzung und damit zu der Notwendigkeit, Patienten in eine zuverlässige flexible und qualifizierte Weiterversorgung zu entlassen - und zwar nicht nur bezogen auf die medizinische Versorgung.

Aufgrund der demographischen Entwicklung mit immer mehr hochbetagten und alleinstehenden Menschen muss auch die pflegerische und hauswirtschaftliche Versorgung gewährleistet werden. Darüber hinaus werden in zunehmendem Maß Menschen, die früher in einem „Altenheim“ gewohnt haben, zuhause versorgt, auch wenn sie sich in einem labilen, gesundheitlichen Zustand befinden. Dies ist auch der Wunsch der meisten Betroffenen. Dem muss allerdings mit entsprechenden Versorgungsstrukturen Rechnung getragen werden.
Eine Untersuchung des Zentrums für Qualität und Management im Gesundheitswesen in Hannover ergab, dass sich nach Einführung der DRGs die Qualität der unmittelbaren Patientenversorgung im Krankenhaus nicht verschlechtert hat, dass aber Defizite entstanden sind, weil die Schnittstellenproblematik zwischen stationärer und ambulanter Versorgung nach wie vor nicht gelöst ist. Über 90 % der befragten Hausärzte beschreiben Überleitungsprobleme als Ursache von Versorgungsdefiziten.

Das bedeutet, dass nach Ansicht der Fachkräfte in der stationären und ambulanten Versorgung auf das veränderte Versorgungsszenario mit verkürzter Verweildauer, einer an der Hauptdiagnose orientierten stationären Diagnostik und Behandlung, also einem höheren Bedarf an Nachbehandlung im ambulanten Sektor, noch nicht ausreichend mit adäquaten, sektorenübergreifenden Behandlungsketten reagiert wird.

Krankenhäuser müssen, besonders bei chronisch Kranken und Schwerstkranken, auf die Weiterversorgung wirksam Einfluss nehmen, weil hier ein komplexer Versorgungsbedarf besteht, der bei Versorgungslücken rasch zu einer Gefährdung von Gesundheit und Leben des Patienten führt. Beispiele sind: Schlaganfall, chronische Wunden, Schenkelhalsbruch, gerontopsychiatrische Patienten, Palliativpatienten.

Dabei ergeben sich Fragen: Wer übernimmt die Initiative und leitet entsprechende Veränderungsprozesse ein? Wessen Aufgabe ist das? Wer ist dazu autorisiert und durch wen? Wer hat dadurch einen Nutzen? Wie können Datenschutzbedenken sachgerecht überwunden werden?

Neben den Krankenhäusern haben auch die niedergelassenen Ärzte, aber insbesondere die Patienten, die Angehörigen und die Krankenkassen einen Nutzen durch eine Verbesserung der Versorgungsketten. Ausgehend vom Expertenstandard in der Pflege haben die Krankenhäuser ein Aufnahme- und Entlassmanagement bzw. ein Überleitungsmanagement umgesetzt. Ein Versorgungsmanagement geht allerdings weit darüber hinaus. Es bezieht auch Versorgungsprozesse ein, bei denen das Krankenhaus nicht beteiligt ist.

Können Krankenhäuser diese Aufgabe wirksam erledigen? Inwieweit lassen sich andere Leistungserbringer in diesen Veränderungsprozess einbinden? Inwieweit wird eine gewisse Verbindlichkeit und flächendeckende Umsetzung von Veränderungen erreicht? Das gemeinsame Interesse und eine Winwin-Situation ist entscheidend.

Weitere Voraussetzungen sind:

  • Ein überschaubarer Versorgungsbereich entweder nach Regionen oder nach Indikationsbereichen,
  • Beteiligung unterschiedlicher Sektoren und Professionen,
  • Adäquate Managementstrukturen zur Steuerung des Veränderungsprozesses,
  • Beteiligte dürfen sich nicht von der Komplexität der Aufgabe einschüchtern lassen,
  • Verbindlichkeit der Absprachen.

Entsprechend dieser Vorgaben wurden im Landkreis Esslingen auf Veranlassung des Kreisseniorenrats und durch die Initiative von Landrat Heinz Eininger vier Gremien eingerichtet:

  • Runder Tisch Versorgungsmanagement
  • Runder Tisch Palliativversorgung mit 3 Palliativnetzwerken
  • Kuratorium Schlaganfall
  • Forum Wunde

Ausgehend von einer Analyse aktueller Probleme wurden darüber hinaus vier Arbeitsgruppen gebildet:

  1. Überleitung vom Krankenhaus in den ambulanten Bereich:

    • Verbesserung der Kommunikation zwischen den Ärzten, z. B. durch Mitgabe des Arztbriefs / sichere Patientenüberleitung zum Wochenende z. B. Mitgabe von Medikamenten für 3 Tage / ggf. Verordnung von Behandlungspflege für 3 Tage.

  2. Einleitung einer gesetzlichen Betreuung:

    • Zügige Umsetzung des Betreuungsverfahrens aufgrund von Absprachen mit den Notaren. Die seitherige und teilweise noch praktizierte langwierige Prozedur zur Durchführung dieser Verfahren kann mit Gewinn für alle Beteiligen deutlich verringert werden.

  3. Kommunikation zwischen den Sozialarbeitern und der pflegerischen sowie sozialen Beratung / Einführung eines standardisierten Formulars zum Austausch von Sozialdaten.

  4. Erleichterung und Beschleunigung der Hilfsmittelversorgung zunächst Ausbildung von Hilfsmittelschwestern als qualifizierte Ansprechpartner im Genehmigungsverfahren mit den Krankenkassen.
 
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