Wie geht das praktisch?

Die Würde des Menschen und die freie Entfaltung der Persönlichkeit sind nach dem Grundgesetz geschützt. Dazu gehört das Selbst-bestimmungsrecht des Menschen; d.h., dass jeder Mensch solange wie möglich, seine Entscheidungen selbst treffen kann und soll. Ist dies nicht mehr der Fall, z.B. aus Krankheitsgründen, müssen Dritte für ihn diese Entscheidungen treffen und handeln.

Dies sind nicht automatisch Familienangehörige, wie z.B. Ehegatten oder Kinder. Angehörige sind nur als Bevollmächtigte oder gesetzliche Betreuer vertretungsberechtigt!!

Deshalb ist es sinnvoll, sich beizeiten darüber Gedanken zu machen, wer mich vertreten soll (Vorsorgevollmacht) und wie er/sie insbesondere in der letzten Lebensphase für mich entscheiden soll (Patientenverfügung).

Im Falle von Einwilligungsunfähigkeit (Entscheidungsunfähigkeit)

Wer soll entscheiden?

Vorsorgevollmacht

(oder gesetzliche Betreuung – evtl. Betreuungsverfügung)

Wie soll am Lebensende entschieden werden?
Lebensverlängernde Maßnahmen?
Sterbebegleitung?

Patientenverfügung

 
Vorsorgevollmacht: Mit einer Vorsorgevollmacht kann eine Person (Vollmachtgeber) einer anderen Person (Vollmachtnehmer/Bevollmächtigter) "vorsorglich" für den Fall einer durch Unfall oder Krankheit bedingten Geschäfts- und Einwilligungsunfähigkeit Vertretungsmacht erteilen.

Die Vollmacht kann sämtliche Angelegenheiten (Generalvollmacht) oder einzelne Bereiche (z.B. "Gesundheitsvollmacht") umfassen. Zur Verfügung über Grundstücke und grundstücksgleiche Rechte ist eine notarielle Vollmacht notwendig.

Aber Vorsicht: Eine Vollmacht kann auch missbraucht werden.

Patientenverfügung: Die Patientenverfügung ist eine Willensbekundung, mit der im Voraus für den Fall einer durch Unfall oder Krankheit verursachten Entscheidungsunfähigkeit Anweisungen und Wünsche bezüglich der ärztlichen Behandlung und pflegerischen Versorgung schriftlich festgelegt werden.

Gesetzlicher Betreuer: Ist ein vom Betreuungsgericht (in Württemberg: Notariate) bestellter Vertreter eines Menschen, der seine Angelegenheiten wegen einer Krankheit oder Behinderung nicht selbst besorgen kann, Ein Betreuer wird nicht bestellt, wenn eine Vorsorgevollmacht vorliegt.

Besonders zu beachten: Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kann jeder nur für sich persönlich verfassen. Eheleute müssen deshalb jeder für sich entsprechende Regelungen treffen, können sich aber gegenseitig als Bevollmächtigte einsetzen.

Benötigt werden beide: "Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung": Um auf Nummer Sicher zu gehen, benötigt man sowohl die Patientenverfügung als auch die Vorsorgevollmacht. Die in der Patientenverfügung enthaltene Vollmacht dient nur zur Durchsetzung der in ihr getroffenen Festlegungen. Die Vorsorgevollmacht deckt bei Bedarf alles darüberhinausgehende ab.

Mit seiner "Gelben Mappe - Selbstbewusst die Zukunft gestalten durch Vorsorgeregelungen" stellt der Kreisseniorenrat alle für Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht notwendigen Formulare mit Erläuterungen zur Verfügung.

Die "Weiße Mappe - Selbstbestimmt vorsorgen" ist eine Check-up-Liste, die alle bei Tod und Trauerfall wichtigen Fragen und ihre Einstellung dazu abfragt. Mit dem Ausfüllen und Bearbeiten der darin angeschnittenen Fragen erleichtern sie ihren Nachkommen erheblich die mit dem Todesfall zu erledigenden Aufgaben. Beide Mappen sind erhältlich zum Selbstkostenpreis von derzeit 4,00 € für die gelbe Mappe und 3,00 € für die weiße Mappe beim Kreisseniorenrat Göppingen -Sprechstunden jeden 1. Donnerstag im Monat, 14.00 bis 16.00 Uhr im Landratsamt GP - bzw. bei den Orts- und Stadtseniorenräten. Sie können die Mappen auch über e-Mail (siehe unser Kontaktformular) bestellen. Bei Postversand werden die Postgebühren in Rechnung gestellt.

Selbstverständlich sind wir auch gerne bereit, sie bei der Erstellung einer individuellen Patientenverfügung zu unterstützen. Bitte fragen Sie uns dazu.

Zum Schluss ein Wort von Erich Kästner, das auf der geöffneten Buchseite auf seinem Denkmal in Dresden (rechts) steht:
Moral
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Das gilt natürlich in besonderer Weise auch für die rechtzeitige Vorsorge. Weiter Informationen zu diesem Thema haben für Sie unter dem nachfolgenden Link bereitgestellt.

Die gesetzliche Regelung (§§ 1901a Patientenverfügung und folgende) im Wortlaut finden Sie hier.

Weiter empfehlen wir die kostenlosen vom BMJ herausgegebenen Broschüren zu den Themen Betreuungsrecht (PDF-Datei 2 MB), Patientenverfügung (PDF-Datei 1 MB) und Erben und Vererben (PDF-Datei 1 MB).

 
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